Veranstaltungsrückblicke

18.Dezember 2016

Benefizkonzert mit Brunch zu Gunsten syrischer Flüchtlingsfrauen im Libanon.

Café Palestine Colonia hatte eingeladen – und ganz viele waren gekommen: Zum Benefizkonzert mit arabisch-deutschem Brunch Buffet zugunsten syrischer Flüchtlingsfrauen im Libanon.

Es war fast etwas schwierig, noch einen Platz an den weihnachtlich dekorierten Tischen zu ergattern, so voll war es im Allerweltshaus bei unserem letzten Café Palestine Colonia-Treffen in 2016 geworden. Viele kannten bereits Hesen Kanjo und sein Kanun, eine orientalische Kastenzither, von seinem letzten Konzert bei uns im November. Dieses Mal spielte er zusammen mit Maren Lueg, der Künstlerin mit einem Master-Abschluss für Near and Middle Eastern Music Performance an der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London, die verschiedene Nay-Flöten und ihr Saxophon mitgebracht hatte.

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Mit einem breiten Spektrum, das von klassischen türkischen, iranischen und arabischen Musikstücken über Volksweisen aus dem Nahen und Mittleren Osten bis hin zu modernen, leicht jazzigen Interpretationen (dann mit Saxophon und nicht mit Nay-Flöte) reichte, begeisterten die beiden Musiker das Café Palestine-Publikum. Bei den Muwashahat Andalusia-Melodien hörte man leises Mitsingen (und das ein oder andere feuchte Auge wurde verstohlen trocken gewischt …).

Die Musik und das wundervolle reichhaltige Buffet waren aber nicht nur als purer akustischer bzw. kulinarischer Genuss gedacht, sondern es war durchaus Absicht, damit

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auch die Spendenbereitschaft der Anwesenden zu erhöhen:Von dem Erlös aus der Veranstaltung sollen Hygieneartikel für Mädchen und Frauen gekauft werden, die aus dem kriegsüberwältigten Syrien in den Libanon geflohen sind. Dort leben inzwischen mehr als eine Million syrischer Flüchtlinge, die seit 2011 ins Land gekommen sind. Zusammen mit den bereits im Libanon ansässigen palästinensischen Flüchtlingen – in 2015 waren das inzwischen 450.000 geworden, die seit der Nakba in 1948, der Vertreibung aus Palästina durch die Israelis, im Land Zuflucht gefunden haben –  macht das knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung des Libanon aus! In Bezug zur Bevölkerungsgröße (ca 5 Mio. Einwohner) ist das die weltweit höchste Zahl an Flüchtlingen in einem Land.

Anders als die Palästinenser, die in der Mehrzahl in völlig überfüllten Lagern leben, sind die syrischen Flüchtlinge über das ganze Land verteilt, wo sie entweder in sehr kleinen und extrem einfachen Unterkünften untergebracht sind,

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oder in improvisierten Zeltlagern aus LKW-Planen, in primitiven Verschlägen oder in anderen Unterkünften leben, die noch nicht einmal Mindeststandards erfüllen, wie zum Beispiel Garagen oder Bauruinen.

Für weibliche Flüchtlinge ist die Situation besonders schwer, zumal, wenn sie alleine – und das sind etwa 20% –  für ihre Familien sorgen müssen. Sie werden häufig bedroht oder sexuell belästigt, sowohl bei der Arbeit als auch auf der Straße. Frauen, denen es gelungen ist, einen Job zu ergattern, werden häufig von ihren Arbeitgebern ausgebeutet und müssen sich in diesem Klima der Diskriminierung oft mit extrem schlechter Bezahlung zufriedengeben.

Deshalb möchte das Café Palestine Colonia angesichts der wachsenden Not der Flüchtlinge im Libanon besonders die Frauen dort unterstützen. Die Sammlung an diesem Nachmittag hat

insgesamt 1250 €

ergeben, inklusive der verkauften Karten für Eintritt und Buffet. Übrigens: Die vielen leckeren Gerichte des Buffets waren von den Freunden (weiblichen wie männlichen!) des Café Palestine zubereitet und gespendet worden!

Suraya Hoffmann wird im März 2017 in den Libanon reisen und sich persönlich darum kümmern, dass die gespendeten Gelder planungsgemäß für Hygieneartikel ausgegeben und verteilt werden. Wer noch spenden möchte, hat also noch Zeit für eine Überweisung auf das

Spendenkonto von L. Hoffmann

bei der Kreissparkasse Köln, IBAN:  DE 29 3705 0299 1172006465

Stichwort:  AMAL

Es hätte wohl kaum einen passenderen Abschluss für unsere Benefizveranstaltung zugunsten syrischer Flüchtlinge geben können als das Gedicht von Mahmoud Darwish, das Hakam Abdel-Hadi auf Deutsch (von ihm und Rüdiger Vorbrüggen großartig übersetzt!) sowie Noha Salloum auf Arabisch dann vortrugen, leise untermalt von den Klängen der Nay Maren Luegs und des Kanun Hesen Kanjos:

Denk an den Andern

Wenn du dein Frühstück bereitest, denk an den Andern

und vergiss nicht das Futter der Tauben.

Wenn du in deine Kriege ziehst, denk an den Andern

und vergiss nicht jene, die Frieden fordern.

Wenn du deine Wasserrechnung begleichst, denk an die Andern,

die ihr Wasser aus den Wolken saugen müssen.

Wenn du zu deinem Hause zurückkehrst, deinem Hause, denk an den

Andern und vergiss nicht das Volk in den Zelten.

Wenn du schlafen willst und die Sterne zählst, denk an den Andern,

der hat keinen Raum zum Schlafen.

Wenn du dich mit Wortspielen befreist, denk an den Andern

und denk an jene, die die Freiheit der Rede verloren.

Wenn du an die Anderen in der Ferne denkst, denke an dich,

und sage: wäre ich doch eine Kerze im Dunkeln.

فكر بغيرك … محمود درويش

فكر بغيرك وأنت تعد فطورك فكر بغيرك

لا تنس قوت الحمام

وأنت تخوض حروبك فكر بغيرك

لا تنس من يطلبون السلام

وأنت تسدد فاتورة الماء فكر بغيرك

لا تنس من يرضعون الغمام

وأنت تعود إلى البيت، بيتك، فكر بغيرك

لا تنس شعب الخيام

وأنت تنام وتحصي الكواكب، فكر بغيرك

ثمة من لم يجد حيزاً للمنام

وأنت تحرر نفسك بالاستعارات، فكر بغيرك

من فقدوا حقهم في الكلام

وأنت تفكر بالآخرين البعيدين، فكر بنفسك

قل: ليتني شمعة في الظلام

  1. Januar 2017, Gabriele Fürstenberg

 

 

 

Sonntag,15.01.2017 12:00-15:00 Uhr lädt  wieder das Café Palestine Colonia

Zu seiner ersten Veranstaltung für 2017

Die Taufstelle am Jordan

Vortrag mit und von Prof. Dr. Moawiyah Ibrahim aus Amman

Experte für Vorderasiatische Archäologie und Repräsentant Jordaniens im Welterbe -Komitee der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Sonntag 20.11.2016

Eine spätherbstliche Sonne schien von einem fast wolkenlosen Himmel, als wir uns am vergangenen Sonntag 20.11.2016 im Kölner Allerweltshaus trafen, um uns gemeinsam an die vor einem Jahr verstorbene Dr. Annelise Butterweck zu erinnern, Förderin ab der ersten Stunde von Café Palestine Colonia in 2012 und seitdem, bis zu ihrem Tod am 22. September 2015, seine/unsere stete Begleiterin.

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Dr. Annelise Butterweck (18.9.1928 – 22.9.2016

Sie, die so eng verbunden gewesen war mit dem Schicksal Palästinas, wäre sicherlich genauso berührt gewesen wie die zahlreichen Gäste von den eindrucksvollen Gedichten der Deutsch-Palästinenserin Faten El-Dabbas, die an diesem Tag aus Berlin bei uns zu Besuch im Café Palestine Colonia war. Und der international renommierte kurdische Qanun-Spieler Hesen Kanjo aus Aleppo, der die gesamte Veranstaltung musikalisch begleitete, hätte ganz bestimmt auch sie, die ein Faible für dieses Instrument hatte, begeistert!

Brigitte Bonnemann erinnerte an die sehr frühe enge Beziehung von Annelise Butterweck mit dem Waisenhaus von Diet Köster und Marielen Schulz in El Azaria, dem sie sich zeit ihres Lebens verbunden gefühlt und dass sie regelmäßig besucht hatte. Blanka Buddenberg brachte ihre Arbeit mit dem Jahalin-Beduinen -Projekt in Erinnerung. Zusammen mit der Evangelischen Gemeinde Bensberg hatte sie das Projekt gegründet, für das u. a. ein Wohn- Container gekauft, eine kleine Bibliothek eingerichtet und für die Beduinen-Frauen Alphabetisierungskurse veranstaltet wurden.  Helga Kandt berichtete über die gemeinsame Arbeit bei „KÖLNER FRAUEN IN SCHWARZ“.

Hakam Abdel-Hadi, auch er viele Jahre lang ein guter Freund von Annelise, las aus ihren 2011 erschienenen Reiseerinnerungen mit dem programmatischen Titel „Unterwegs zu den Menschen“.Es war dann Axel Becker, der Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Bergisch-Gladbach – Beit Jala, der noch einmal zusammenfasste, was die Judaistin Dr. Annelise Butterweck so bemerkenswert gemacht hatte: Ihr jahrzehntelanges, unermüdliches Engagement für den Frieden im Nahen Osten und für die Verständigung und den konstruktiven Dialog zwischen Israelis und Palästinensern.

Nach einer Pause – mit Surayas leckerer Suppe von roten Linsen sowie Kaffee und Gebäck (wie immer selbstgebacken) von der Kuchentheke –  ging’s dann weiter mit Gedichten, die sich, manchmal erst auf den zweiten Blick! als eminent politisch erwiesen:  Die Poetry-Slammerin Faten El-Dabbas las aus ihrem kürzlich erschienen Gedichtband „Keine Märchen aus 1001 Nacht“, begleitet von Hesen Kanjos wundervollen Qanun-Improvisationen.

„Mut ist, Waffen mit Worten zu begegnen“, zitierte sie den palästinensischen Dichter Mahmoud Darwish. Und fuhr fort: „Mit seinen Texten weckte er den Widerstand der palästinensischen Bevölkerung gegen das eigene Leid. Als schon in jungen Jahren literarisch und politisch interessierte Deutsche mit palästinensischen Wurzeln, die bis zum Jahr 2012 noch nie in Palästina und Israel gewesen ist, haben mich Darwishs Texte in zweifacher Hinsicht beeinflusst. Erstens, hat er mir erst ein Bild von meiner Heimat in Worten gezeichnet, die ich nicht kannte. Und zweitens, das ist das Wichtige, zeigte er mir, dass Kunst, auch in Form von Literatur, Botschaften vermitteln kann, Meinungen bilden kann und aufmerksam machen kann. Kunst und Worte als Boten der menschlichen Gefühle, als Form des Widerstands. Nicht Gewalt.“

Es war ein bemerkenswerter, ebenso nachdenklich machender wie unterhaltsamer Nachmittag im Café Palestine Colonia an diesem Sonntag im November. Und übrigens, wer nicht nur Lust hat, Faten El-Dabbas Gedichte zu lesen (Keine Märchen aus 1001 Nacht, erschienen 2016 im Cosmics Verlag), sondern neugierig geworden ist auf Hesen Kanjos Qanun-Kompositionen, dem sei seine neue CD – Hêvî (Hoffnung) – empfohlen. Mehr zu ihm auf  www.hesenkanjo.de.

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Im Dezember, am 18.12., 12 bis 15 Uhr, treffen wir uns wieder im Café Palestine Colonia, dieses Mal zu einer musikalischen Benefizveranstaltung zugunsten der Flüchtlingsfrauen in den Lagern Libanons und Jordaniens.

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